Alles auf einmal und am besten sofort - Ist es möglich mehrere Bücher parallel zu schreiben?
- erinawissing1990
- vor 6 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
In den Autorenforen dieser Welt herrscht Uneinigkeit.
Die einen sagen, man müsse mehrere Bücher gleichzeitig schreiben, um wirklich produktiv zu sein. Die anderen halten nichts von diesem Konzept. Sie sagen, diese Herangehensweise beraube den Autor oder die Autorin der Möglichkeit, wirklich in eine Geschichte einzutauchen.
Ist der Akt des Parallelen Schreibens Abwechslung oder Ablenkung? Birgt er Chancen oder Gefahren? Beide Seiten haben gute Argumente, über die wir ausführlich diskutiert haben.
Paralleles Schreiben – Unabdinglich, wenn man vom Schreiben leben will?
Sobald man in den Genuss kommt, für die eigene Schreibtätigkeit bezahlt zu werden (mehr oder minder) taucht am Horizont sofort ein bedrohlicher Schatten auf: Deadlines.
Damit man ihnen gerecht werden kann, muss man sich gut strukturieren.
Da ist es mitunter unumgänglich, dass man an mehreren Geschichten gleichzeitig arbeitet. Doch das muss kein Nachteil sein.
Wer die Romanschreibphasen kennt und nutzt hat Vorteile
Der Prozess des Romanschreibens lässt sich in verschiedene Phasen aufteilen: Rohfassung, Überarbeitung, Testleser, 2. Überarbeitung, 3. Überarbeitung, Ruhephase, Lektorat, Korrektorat etc. Irgendwann kennt man die Anforderungen und Tücken der einzelnen Phasen. Sie sind von der Art der Arbeit teilweise so unterschiedlich, dass sie sich prima eignen, dass man sie durchmischt. Während das Manuskript in der Schublade ruht oder im Lektorat ist kann man die Zeit nutzen, um bereits mit der Rohfassung des nächsten Werkes zu beginnen. Mit der Zeit lernt man sich und seine Vorlieben hier sehr gut kennen und kann abschätzen, wie das Spiel mit den Schreibphasen am effizientesten gespielt werden kann.
Ein Wechsel zwischen Geschichten kann auch dabei helfen, eine Schreibblockade zu überwinden. Man reißt sich aus dem Text raus und gewinnt Abstand, sodass man sich nach einer Weile mit einem kühlen Kopf und einem frischen Blick wieder ransetzen kann. Manchmal hilft es, sich wieder auf die Faktenebene zu begeben, um zu sehen, wo die Blockade entstanden ist – und sie dann zu lösen. Und man ist nicht mehr so stark emotional Investiert, sodass es leichter fällt, Passagen zu löschen. Ein Pluspunkt dieses Wechsels ist auch, dass man dem Unterbewusstsein die Möglichkeit gibt, an dem Text weiterzuarbeiten, der gerade liegt.
Wenn man ein Buch schreibt kommt für viele irgendwann der Punkt, wo die Langeweile sich einschleicht. Die Romanidee hat ihren Glanz verloren und erste Probleme zeigen sich. Auch hier kann es helfen, für eine Weile zu wechseln. Doch Obacht: Das darf nicht aus Ausrede genommen werden, um sich Problemen beim Schreiben nicht zu stellen. Denn diese treten früher oder später unweigerlich auf und man tut sich selber keinen Gefallen, wenn man sich davor drückt. Wie soll man dann Lösungsstrategien entwickeln?
Gleichzeitig hat der Wechsel zwischen Geschichten seine Kosten. Wer einmal aus einer Geschichte raus ist muss sich anstrengen, um wieder reinzufinden. Er muss Passagen erneut lesen und sich nochmal in die Charaktere einfühlen. Das kostet Zeit und Kraft. Wenn man nicht aufpasst und zu viele Projekte gleichzeitig angeht, ohne seine Grenzen zu kennen, der riskiert mitunter einen schleichenden Burnout.
Ein Vorteil, wenn man sich den Wechsel zwischen verschiedenen Projekten erlaubt ist auch das damit einhergehende Training. Man erlaubt sich, neue Ideen zuzulassen, statt sie zu unterdrücken. So hält man den Ideenapparat warm.
Wer mehrere Bücher schreibt steht oft vor dem Problem, diese auf psychologischer Ebene voneinander zu trennen. Das kann dazu führen, dass man sich verzettelt. Ausversehen wirft man Informationen, Charaktere oder Ereignisse durcheinander und stellt am Ende fest, dass beide Bücher dieselbe verhuddelte Grundstimmung haben, weil man den Fokus verloren hat. Von Vorteil ist dies vielleicht, wenn man mehrere Bände einer Reihe oder eines Universums parallel schreibt. Diese dürfen sich gegenseitig beeinflussen und reifen gemeinsam.
„Monoskriptie“™ - Eine einzelne Geschichte schreiben, leben, lieben
Viele Autorinnen und Autoren schwören darauf, dass sie am besten arbeiten, wenn sie sich voll und ganz auf ein Projekt fokussieren können. Sie sparen sich viel Ärger, da sie sich nicht regelmäßig wieder in ihre Geschichte einarbeiten müssen. Das kostet viel Zeit. Stattdessen arbeitet der Verstand rund um die Uhr an der einen Geschichte, löst Probleme, erdenkt Szenen, empfindet, plottet, verwirft. Man verzettelt sich nicht. Darin liegt auch schon der größte Pluspunkt dieser Methode: Fokus. Man ist voll und ganz mit allen Ressourcen bei einer Sache. Auch das Unterbewusstsein ist nicht abgelenkt und zieht hinter den Kulissen an einem Strang. Strukturiert man das Schreiben mehrerer Bücher nicht richtig, ist man vielleicht schneller, wenn man nur eines schreibt – obwohl im ersten Moment das Gegenteil vermutet wird.
Ein Punkt, den viele anmerken, ist die emotionale Teilnahme. Ohne Ablenkung kann man völlig in seinem Text und seiner Welt versinken und empfindet stärker. Für manch einen entstehen so tiefere Geschichten, da man ihnen mehr Zuneigung schenken kann. Charaktere werden menschlicher und Geschichten mitreißend. Für viele Schreibbeginner ist da sicherlich etwas an. Auch manch ein Profi handhabt seine Profession nach wie vor auf diese Weise.
Da du nicht mehrere Geschichten psychologisch voneinander trennen musst, kannst du diese Methode nutzen, um Räume in deinem Roman zu schaffen. Statt eine Geschichte am Küchentisch zu schreiben und die andere auf der Couch kannst du so einen Charakter hier und einen anderen dort schaffen. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass sie an Eigenständigkeit gewinnen und du sie besser voneinander trennen kannst.
Tipps
Welche Methode man im Endeffekt anwendet ist natürlich jedem selbst überlassen. Was für den einen funktioniert, ist für den anderen vielleicht eher eine Belastung.
Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Tipps, falls man sich an die „Stereoskriptie“™ herantasten will.
Morgens ein Projekt, abends ein anderes
2ok, 3 zu viel
Ideen aufschreiben – Ideenapparat warmhalten (Training, Übung)
Buch wird irgendwann langweilig. – Nicht gleich neues beginnen, Kurzgeschichten, Writing Prompts etc.
Psychologische Trennung – verschiedene Medien, Ortswechsel, nach Genres, Roman/Sachbuch (Gerüche, Musik nutzen)
Entscheiden: Welches ist mein Hauptprojekt
Kapitel-absch.-wechsel-feedback nutzen um wieder reinzukommen.
Projektabschnitte setzen
Routinen/gewohnheiten
Jedes Projekt hat einen Ort
Mach es dir so einfach wie möglich.
Erste Rohfassung ununterbrochen (assoziativ)
Eigenes Gemüt kennen, Phasen anpassen
Welche Variante ist nun besser? Wie so vieles beim Schreiben ist auch dies eine Typfrage. Wenn du dir unsicher bist, probiere beides mal aus – dann wirst du dich selber besser kennenlernen. Wer weiß, vielleicht nimmst du ja Aspekte aus beiden Strategien mit.


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