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Mit dem Debüt zum Bestseller: "Die Erfindung des Dosenöffners"

Der Podcaster und Comedy-Autor Tarkan Bagci hat es mit seinem Debüt auf die Bestseller-Listen geschafft. Doch liegt das nur an seiner Bekanntheit oder ist der Erfolg von "Die Erfindung des Dosenöffners" gerechtfertigt?

Lokaljournalist mit großen Träumen und wenig Elan


Timur Aslan steckt fest - in seinem von allen Freunden verlassenen Heimatort und in seiner Teilzeitanstellung als Lokaljournalist. Auch wenn die Arbeit bei der Zeitung sein großer Traum ist, hat er sich das ganz anders vorgestellt als über Taubenzuchtvereine und Kegelclubs zu schreiben. Er will mehr und der erste Schritt das Volontariat. Dafür braucht er jedoch eine "Hammerstory". Und die beginnt mit einem Satz eines scheinbar verwirrten alten Mannes "Annette hat ein Geheimnis". Es beginnt eine spannende Reise, die ihm nicht nur die Antwort auf die Frage beantwortet, wer eigentlich den Dosenöffner erfunden hat.


Was können angehende Autoren daraus lernen?

From Zero to Hero? Es muss keinen Auserwählten geben

Deine Hauptfigur muss weder auserwählt noch sympathisch sein. Sie muss nur interessant sein. Tmur weidet sich teilweise so in seinem Selbstmitleid und seiner Wut auf die Welt, dass man sich fragt, wie kommt er da wieder raus?


Alles ist mist. Der Papa kümmert sich nur um sein Auto, der Job macht keinen Spaß und unterfordert ihn. Er möchte mehr, ohne etwas dafür zu tun

Er erwartet, dass sein Umfeld reagieren muss und er es nur geschehen lassen muss.

Die einzige Handlung ist, dass er immer wieder einen egozentrischen Journalisten fragt, ob der ihm das Volontariat "klarmachen" kann.

Er ist zwar 20 Jahre alt, aber vom Kopf her quasi noch ein Teenager, der alles unfair findet.

Seine Reise nach der "Hammerstory" führt ihn dann nicht nur auf eine tatsächliche Reise – also einen Roadtrip in die Schweiz – es entwickelt sich auch die Reise zu einer verantwortungsbewussteren Person. Timur erwachsener und lernt, sich selbst und seine Umwelt besser wahrzunehmen.


Auch schiefe Bilder werfen das Kopfkino an


Tarkan Bagci hat einen wirklich interessanten Schreibstil, der viele scharfsinnige Alltagsbeobachtungen humoristisch aufarbeitet. Beim Lesen hatte ich immer wieder den Eindruck, dass er mir aus der Seele spricht. Zum Beispiel, wenn er seinen Protagonisten darüber nachdenken lässt, ob er einen Film gucken sollte und dieser aus Zeitmangel eher eine Serie gucken will. Nein, keine Folge einer Serie, sondern eher eine Staffel.

Die sprachlichen Bilder sind originell und wirken manchmal fast schief und dennoch malen sie ein Bild, wenn er von "einer kleinen Pfütze Bank" oder von einer Haltestelle, die verloren in der Dunkelheit "hing" oder den "Eingeweiden des Döners" schreibt.


Kontakte schaden nur denen, die keine haben


Was noch interessant ist. Bagci gehört zu den Glücklichen, deren erstes Buch gleich auf der Bestseller-Liste gelandet ist. Das lag wahrscheinlich an mehreren Faktoren.

Zum einen gehört er zum erfolgreichen Podcast "Gefühlte Fakten" und zum anderen hat er durch seine Arbeit in der Medienbranche genug Kontakte geknüpft, die ihm nun im Marketing helfen konnten.

Allein auf der Rückseite des Buchs gibt es Stimmen von Klaas Heufer-Umlauf und der Autorin Giulia Becker, die beide eine ganz eigene Zielgruppe ansprechen. Beziehungen schaden halt nur denen, der keine hat.


Dennoch soll das nicht den Erfolg schmälern. Denn es ist wirklich ein sehr gutes Buch (da muss ich Klaas Heufer-Umlauf einfach recht geben). Und ich werde mir auch das nächste Buch holen, was er geschrieben hat. ("Nach dem Tod komm' ich" ist 2021 bereits erschienen und ebenfalls auf der Bestseller-Liste gelandet)



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