Müssen wir allen Trends des Buchmarktes folgen? - Von Originalität und Altbewährtem
- erinawissing1990
- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
An vielen Stellen liest man den Tipp, „für den Markt zu schreiben“, wenn man es als Autor*in zu Erfolg bringen will. Damit ist gemeint, dass man sich beim Schreiben an den Trends des Buchmarktes orientiert, um auf den Zug aufzuspringen.
Über dieses Thema wird viel gestritten.
Die einen sagen, es ist uninspiriert und zerstört die Originalität.
Die anderen weisen darauf hin, dass ein*e Autor*in nicht für sich selbst schreibt, sondern für die Lesenden – und deren Wille bestimmt die Trends des Buchmarktes. Deshalb wäre man gut beraten, sich danach zu richten.
Was ist nun richtig? Wo liegen die Vor- und Nachteile beider Vorgehensweisen?
Aus persönlicher Inspiration erwächst Originelles
Wer immerzu mit einem Auge auf den Buchmarkt schielt, bekommt schnell Kopfschmerzen.
Das Schreiben selbst wird zur Arbeit, denn plötzlich jagt man äußerlichen Zielen nach und verliert die eigene Leidenschaft aus dem Blick. Jungen Menschen werden so vielleicht Strukturen und Ideen übergestülpt, die ihnen gar nicht entsprechen. Nicht selten führt das dazu, dass sie aufgeben, ehe sie die Chance haben, sich richtig zu entfalten.
Jeder von Euch hat seine oder ihre Vorlieben in Hinblick auf die Geschichten, die Ihr schreibt. Manche fühlen sich in einem bestimmten Genre ganz besonders Zuhause, andere mögen ganz bestimmte Charaktere oder Thematiken. Obwohl es immer ratsam ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich weiterzuentwickeln, sollten diese Vorlieben nicht vernachlässigt werden. Immerhin entspringen sie Euch und machen Euch zu dem Menschen, der Ihr seid. Sie tragen dazu bei, dass Ihr dieses ganz bestimmte Buch schreiben könnt, das vielleicht ganz eigene Leser*innen begeistert.
Ihr sollt also keineswegs ignorieren, was Euch besonders macht. Denn das ist Euer größtes Potential.
Nichtsdestotrotz gibt es gute Gründe, den Buchmarkt nicht außer Acht zu lassen.
Was die Trends des Buchmarktes zu bieten haben.
Für den Markt zu schreiben bedeutet einen herben Zeitaufwand. Es geht nicht nur darum zu schauen, was aktuell gerne gelesen wird. Ihr solltet auch versuchen, vorherzusehen, was vielleicht den Nerv der Zukunft trifft. In dem Moment, wo man einen Trend erkennt und beginnt, ein Buch zu schreiben, das hineinpasst ist er auch schon wieder vorbei und das Werk veraltet, ehe es rauskommt.
Deswegen ist es nicht ratsam, diese Beobachtungen eins zu eins in die eigene Arbeit zu übersetzen.
Aber es lohnt sich, Neugierig zu sein.
Die Idee der Inspiration wird schnell verromantisiert. Unerfahrene Autor*innen nutzen die Ausrede, sich selber frei entfalten zu wollen, um sich pauschal über die Trends des Buchmarktes zu stellen und diese links liegen zu lassen. Dabei wird oft übersehen, was diese zu bieten haben.
Das, was eine*n Autor*in ausmacht, wird nicht selten missverstanden. Oftmals wird auf Stil geschaut, auf die „Stimme“ oder auf eine ganz eigene Atmosphäre in den Geschichten. Gerade Menschen, die sich nicht mit dem Schreibhandwerk auseinandergesetzt haben, fehlt oft die Erfahrung. Sie sind noch nicht in der Lage, in die Tiefe einer Geschichte zu schauen und zu verstehen, was unter der Haube passiert. Gute Geschichten sind Geschichten über Menschlichkeit – egal ob es sich um Roboter, Vampire oder Clownfische handelt. Wer das verstanden hat, der ist frei, über seine Vorlieben hinauszuwachsen und das ganze Arsenal der Genres, Tropen und Trends für sich zu nutzen.
Ja, Inspiration und Leidenschaft sind wichtig. Gleichzeitig sollte jede*r von Euch Neugierig sein und verstehen, wo diese herkommen, um mit ihnen zu spielen. So entstehen völlig neue Gedankengänge und Ideen.
Die goldene Mitte: Das Beste aus allem nutzen
Am besten fahrt Ihr, wie so oft, indem Ihr das beste von beiden Enden des Spektrums nutzt. Seid Neugierig und mutig, geht Eurer eigenen Leidenschaft nach und erforscht, was Ihr zu geben habt. Haltet gleichzeitig Augen und Ohren offen. Die (Buch)Welt da draußen hat viel zu bieten, das ihr sonst verpasst.
Vielleicht kommt ihr auch auf neue Ideen. Wenn Ihr beispielsweise seht, dass Kochbücher gerade eine Renaissance erleben, könnt ihr damit rumspielen. Vielleicht spielt euer Science-Fiction Roman in der Kombüse, statt auf der Brücke? Vielleicht ist der Vampir in eurer Horrorgeschichte ehemaliger Koch und schreibt ein Buch über Blutrezepte?
Auch über inhaltliches hinaus macht es Sinn, hin und wieder in den Buchmarkt reinzuschnuppern. Dass auch der Buchmarkt immer digitaler wird, ist kein großes Geheimnis. Als angehender Autor ist es wichtig, das zu wissen – so kann man auf neu entstandene Bedürfnisse reagieren. Vielleicht legt man sein Buch von vorneherein als E-Book an oder legt seinen Fokus auf eine digitale Vermarktung.

Zum Mitnehmen
Geh in einen Buchhandel deiner Wahl.
Sieh dir die drei ersten Bücher auf der Bestsellerliste an.
Nimm eine Idee von dir und versuche, sie in diese Genres/diese Thematiken zu „übersetzen“.
Wie unterscheiden sich die Geschichten?
Was konntest du daraus mitnehmen?


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